Aktuell finden wieder Präsenzgottesdienste mit Anmeldung statt. Zusätzlich streamen wir auf YouTube!
Close Notification
Open Notification

Gott erlebt: Drei Kranke auf der Parkbank

Auch wenn ich weiß, dass Gott irgendwie da ist, spüre ich oft nicht, dass er mich braucht. Es ist klar, dass ich ihn brauche – aber dass er mich braucht? Ich hatte in der letzten Zeit gemerkt, dass ich meine Beziehung zu Jesus sehr habe schleifen lassen. Ein sehr guter Freund hat mich unterstützt und ermutigt, durch Gebet und Bibellesen wieder Schritte auf Jesus zuzugehen.

Am vorletzten Wochenende bin ich nicht zum Gottesdienst gegangen, weil ich niemanden anstecken wollte. Stattdessen habe ich mich in meinem Stadtteil in eine sonnige Ecke auf eine Bank gesetzt und meine Bibel gelesen. Nach etwa 10 Minuten kam ein Mann mit seinem Hund daher – sehr abgewetzte Kleidung, ungepflegte Erscheinung. Er: Was liest du denn da? Ich: Die Bibel. Er: Iiiiiih! Äääääh! Pfui! Wie kann man nur die Bibel lesen? Ich: Mir gefällt’s.

Er setzt sich neben mich auf die Bank und wir beginnen, uns zu unterhalten. Eigentlich sei er Künstler, sagt er, aber eben auch schwer psychisch gestört, weil er in den 70ern zu viele Drogen genommen und sich daher jetzt nicht mehr ganz unter Kontrolle habe. Dies bestätigt sich mir in den nächsten zwei Stunden immer wieder: er kriegt Anfälle, spuckt wütend aus, schimpft und verwendet immer wieder einen bestimmten Namen, den er sich gezwungen fühlt, auszusprechen. Er entschuldigt sich dafür, redet mit sich selbst. Er könne auch kein Tageslicht vertragen und würde nur rausgehen, weil sein Hund raus muss. Er selbst lebe in einer „Höhle“, seine Wohnung sei völlig abgedunkelt. Er komme am liebsten nachts bei Gewitter raus.

Mir fiel unweigerlich die Geschichte von Jesus und dem Besessenen von Gerasa (Markus 5) ein. Ich sagte ihm, dass es in der Bibel auch einen Mann gegeben hat, dem es so ähnlich ging wie ihm. Er, das ist Ulrich. Er wurde neugierig, also las ich ihm die Geschichte vor. Er konnte sich voll mit diesem Mann aus der Bibel identifizieren, hielt die Geschichte aber für Hollywood, weil so etwas im wirklichen Leben nicht passiere. Dann kam Alex vorbei, ein Punk. Ulrich kannte ihn. Der erzählte mir, dass er der Kirche zu kommunistisch und den Kommunisten zu gläubig sei. Er bat mich, Psalm 71,16 aufzuschlagen, ein Text, der ihm am Herzen lag. Bald verabschiedete er sich und hoffte, mich irgendwann wieder zu treffen, um weiter über den Glauben zu reden. Und Ulrich, der trotz mehrfacher Verbesserung nicht aufhörte, mich Elisabeth („Gott ist Fülle“) zu nennen, fand es schade, als ich nach zwei Stunden nach Hause musste. Auf dem Heimweg war ich so glücklich: Gott hatte mich gebraucht!

Dies ist die Kurzfassung der Geschichte. Wer mehr über Alex und Ulrich und die ominöse Bibelstelle wissen will, kann mich ja fragen.

von Maren Wöhler