Aktuell finden wieder Präsenzgottesdienste mit Anmeldung statt. Zusätzlich streamen wir auf YouTube!
Close Notification
Open Notification

meinem Jakobsweg

Ich weiß heute gar nicht mehr genau, wie ich auf die Idee ge­kommen bin. Anfang letzten Jahres las ich einen Artikel in der Zeit­schrift „Aufatmen“ über den Weg. Ein Kommilitone war mehrere tau­send Kilo­meter allein mit dem Fahr­rad unter­wegs – beides zusam­men hat mich an­ge­regt, einmal einen Ur­laub allein zu machen. Ich hatte im Sommer Zeit und wollte das bewusst für mich nützen, bevor ich in mein letz­tes Studien­jahr startete: Gedanken über mich, meine Ver­gangen­heit und vor allem meine Zu­kunft, wie es nach dem Studium weiter­gehen soll­te.

Anfang Septem­ber wanderte ich los. In der ersten Woche be­glei­tete mich meine Mutter, und wir hatten eine un­glaub­lich schöne, ge­seg­nete Zeit. Die rest­lichen bei­den Wochen war ich alleine unter­wegs. Ins­ge­samt be­wältigte ich eine Strecke von 320 Kilo­metern, etwa ein Drittel des ganzen Weges.

Die Zeit in Spanien war un­glaub­lich! Es reg­nete nur an zwei Tagen. Gott seg­nete mich aber nicht nur mit schönem Wet­ter. Bis auf ein paar Blasen hatte ich keine Ver­letzungen oder Probleme, keine bösen Zusammen­stöße mit frem­den Menschen, mir wurde nichts ge­stoh­len, mein Geld hat gut ge­reicht. Das zu den un­wich­tigen Äußer­lich­keiten. Gott ist mir vor allem in meinen Äng­sten und Be­fürch­tungen und Zwängen be­geg­net, was ich an einer Situa­tion fest­machen möchte. Ich bin nicht gerne allein. Ich woll­te heraus­finden, ob ich alleine wandern könn­te.

Unter­wegs lernte ich zwei Jungs kennen, und wir trafen uns jeden Abend in den Her­ber­gen. Es waren noch etwa 150 km bis Santiago und ich hatte jede Menge Zeit. Eines Tages, ich hatte mich mit den Jungs für den Abend wieder ver­ab­redet, lief ich bei strah­lendem Sonnen­schein über die Berge. Gedank­lich über­legte ich, was ich in Santiago noch machen könnte, weil ich durch das Wander­tempo der Jungs viel zu früh da sein würde. Und plötz­lich machte es „Klick“ in meinem Kopf. Ich hatte diesen Weg doch aus einem anderen Grund an­ge­tre­ten. Ich woll­te nicht hetzen, woll­te ein­fach ver­weilen, wo es mir ge­fällt. Gegen 14 Uhr traf ich bei der näch­sten Herberge ein und blieb dort. Ich hätte sicher zwei Stun­den weiter­laufen können. Die Herberge war klein und wurde schnell voll. Ein bisschen trau­rig döste ich auf meinem Bett, als ich plötz­lich be­kann­te Stim­men hörte: zwei Däninnen, mit denen ich schon ge­wandert war. Ich war so glück­lich! Es war einer dieser vielen Momente auf die­sem Weg, in denen Gott für mich ge­sorgt hat, mir in meinen Ängsten be­geg­nete und mich reich seg­nete.

von Hannah Bendner