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Weltveränderer

Drei Christen trafen sich jeden Dienstag, um gemeinsam in der Bibel zu lesen.

Anschließend sahen sie die Tagesschau.

Oft gerieten sie in Streit darüber.

Der eine sagte: „Wir können nicht bloß hier sitzen und zuschauen.“

„Gott setzt die Mächtigen auf ihren Thron“, sagte der zweite, „und er stürzt sie wieder. Willst du dich dagegen auflehnen?“

„Jedenfalls nicht die Hände in den Schoß legen“, sagte der erste. „Denkst du wirklich, dass Gott will, dass wir zuschauen und weiter nichts?“

Der dritte fuhr dazwischen: „Ihr könnt doch das Unglück nicht Gott in die Schuhe schieben! Gott ist für das Böse nicht verantwortlich. Der Teufel ist daran schuld.“ Seine Augen glänzten. „Satan herrscht über diese Erde. Er brüllt wie ein Löwe, das steht schon in der Bibel. Andauernd erfüllen sich Vorhersagen. Es wird noch schlimmer werden! Und dann kommt Jesus wieder. Wir Christen müssen ausharren.“

Der erste der drei Christen ging in die Küche, während sie diskutierten, und schnitt Brotscheiben ab. Die anderen beiden folgten ihm und redeten weiter. „Von wegen, der Teufel herrscht,“ schimpfte der zweite. „Jesus Christus hat das Böse besiegt! Er hat hier das Sagen.“

„Noch nicht. Noch lässt er den Teufel machen. Das sieht man doch überall!“

Der zweite sah den ersten an. „Was machst du da?“

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„Ich belege ein Brot mit Wurst.“ „Siehst du?“

„Könntest uns ruhig auch eins anbieten.“

„Das Brot ist nicht für mich. Ich bringe es dem Penner im Ostpark. Bin gleich wieder da.“

„Der stirbt doch sowieso, wie der säuft.“

„Ja, er stirbt“, gab der erste zu. „Wir auch, falls du das vergessen hast. Aber es macht mein Herz warm, wenn ich ihm das Wurstbrot bringe. “

„Die Weltgeschichte änderst du nicht damit!“ sagte der Dritte. „Meinst du, du kannst dem Teufel damit ein Schnippchen schlagen?“

„Ist nur ein läppisches Wurstbrot, das weiß ich. Na und? Manchmal haben Menschen die Weltgeschichte verändert.“

„Dann geh halt zu deinem Penner.“

So brachte der erste Christ dem Penner das Wurstbrot, der zweite verkroch sich mit seiner Bibel, und der dritte schaute Nachrichten, um zu sehen, was noch alles kaputtging in der untergehenden Welt.

Text: Titus Müller (gekürzt)